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Simons kleine Sitzecke…. Die vier großen Gelübde – Teil 1

Heute mal wieder ein bisschen was aus der Sitzecke.
Da Zen ja nicht nur eine New Age-Stressreduzierungs oder Managersache ist, sondern eine Richtung des Buddhismus, besteht er nicht nur aus Sitzen und an die Wand starren.

Rezitationen, Rituale, Schriften, usw. sind auch Teil des Zen.
Wobei das Ganze heute nicht mehr so streng gehandhabt wird, wie es sicherlich noch vor 150 Jahren in den großen Japanischen Klöstern geschah. Insbesondere im Westen gibt es, je nach Richtung, Abstammungslinie, usw. die unterschiedlichsten Ausprägungen.

Ich beende mein tägliches Sitzen am Morgen mit einigen Rezitationen und Verbeugungen.
Darunter sind auch die “Vier großen Gelöbnisse der Boddhisattvas”.
Was ein Boddhisattva ist, hab ich ja an anderer Stelle schon erklärt.
Die Gelübde sind Ausdruck des Bestrebens alle Lebewesen zu retten und sein Handel darauf auszurichten, dass Mitgefühl, Weisheit und Handeln zum Wohl aller lebenden Wesen den Alltag bestimmen.

Es gibt viele verschiedene Übersetzungen und Varianten der Gelöbnisse.
Hier die Variante die ich rezitiere:

1. Mögen die Lebewesen auch zahllos sein, ich gelobe, sie zu retten.
2. Mögen meine schlechten Gewohnheiten und Anhaftungen auch grenzenlos sein, ich gelobe, sie aufzugeben.
3. Möge der Dharma auch grenzenlos sein, ich gelobe, ihn zu lernen.
4. Möge die Buddhaschaft auch unerreichbar sein, ich gelobe, sie zu erlangen.

Das Rezitieren ist eine Sache, doch die Umsetzung eine ganz andere.
Darum möchte ich nach und nach die Gelöbnisse, so wie ich sie sehe, beschreiben.
Vielleicht seht ihr das ganz anders oder ich sehe es falsch. Aber aus dem was ich bisher gelernt habe, entstand mein Verständnis.

Das erste Gelöbnis:

Shu-jô mu-hen sei gan do – Mögen die Lebewesen auch zahllos sein, ich gelobe, sie zu retten.

Zu Beginn gleich das “groß-spurigste” Gelöbnis.
Ich finde, dass es sehr oft missverstanden wird. So à la: “Gehet hinaus und bekehrt alle zum Glauben an Buddha!” Doch so war es nie gemeint. Und ich denke, dass auch nicht unbedingt gemeint ist, dass man jetzt kündigt, Familie und Freunde aufgibt und sich einer Hilfsorganisation anschließt.

Ich denke, es sind eher die kleinen Dinge, die zum Großen führen. Was ich damit meine? Nun, wir sollten uns einfach einmal unser tägliches Verhalten anschauen! Der Mensch lernt häufig dadurch, dass er sich Verhalten ab schaut. Das bedeutet, dass ich ein Vorbild sein sollte und mein Verhalten, so sein muss, dass es dem Wohle aller dient.

Beispiele?

Gerne bei uns in der Wohnanlage praktiziert: Ich bringe meinen vollen Müllbeutel bis zum Aschetonnenhäuschen und stelle ihn davor statt ihn in den Müllcontainer zu werfen. Spätestens, wenn die erste Krähe dran war hat jeder was von meinem Müll.

Ich nehme das letzte Tuch von der Klopapierrolle und freue mich, dass ich jemandem anderen die Chance gebe, es aufzufüllen.

Ich lasse diese Woche das Duschen und Kleiderwechseln mal ausfallen, dann haben auch meine Mitmenschen was davon.

Das könnte ich jetzt so weiter führen. Ich hoffe, dass die Ironie durch kam. Viele werden sagen, “Was soll der Mist? Das hat doch nichts damit zu tun!” Ich glaube schon.
Das sind doch genau die Dinge, die unsere Welt ein kleines bisschen besser machen. Wenn jeder auf den anderen ein bisschen Rücksicht nimmt.
Es bedeutet nicht, jedem die Arbeit ab zu nehmen und sich selbst zu versklaven. Aber in dem Moment, in dem ich mich 10 Minuten über eine Sache aufrege, die ich in 30 Sekunden selber behoben hätte, dann läuft etwas falsch. Und nur durch positives Verhalten, bringt man andere dazu auch selber aktiv zu werden und zu handeln. Spätestens dann, wenn deren schlechtes Gewissen übermächtig wird.
Und man selbst lebt auch entspannter, wenn man sich nicht von Kleinigkeiten aus der Bahn werfen lässt.Eine gewisse innere Ruhe und Gelassenheit, wirkt sich auch auf die Umwelt aus und ist ein weiteres gutes Beispiel für die Mitmenschen.
Zazen kann helfen, dieses Verhalten zu verwirklichen. Wie gesagt kann, muss aber nicht. Es gibt sicherlich auch andere Wege. Zazen hilft einem auf jeden Fall, sich bewusst zu werden. Man bemerkt sein eigenes Verhalten eher und kann es entsprechend korrigieren. Erst wenn wir auf uns selber achten und uns selber “retten”, können wir das “große Thema” angehen.

So wenig wie es im Großen von heute auf morgen geht, so wenig geht es im Kleinen, unser Verhalten zu ändern. Oft kommt uns das, was wir in langen Jahren gelernt und verinnerlicht haben, in die Quere.
Wir müssen uns von alten Verhaltensweisen lösen und unsere schlechten Gewohnheiten auf geben.
Wir sollten ihnen nicht anhaften.

Doch das ist das Thema des 2. Teils.

Zum Abschluss noch die “Vier großen Gelöbnisse” im Japanischen Text:

Shu-jô mu-hen sei gan do
Bon-nô mu-jin sei gan dan
Hô-mon mu ryô sei gan gaku
Butsu-dô mujô sei gan jô

Gassho

Simons kleine Sitzecke…. Trauer

Der Tod und das Sterben begleiten uns täglich. So wie die Geburt und das Leben.
Doch wir schieben es meistens in die hintersten Winkel unseres Bewusstsein.
Gerade der Herbst ist aber die zeit, in der wir uns immer wieder der Vergänglichkeit bewusst werden. Dann werden wir häufig traurig und melancholisch. So ist unsere Sicht auf die Dinge.
Doch im Frühling, wenn alles neu erwacht werden freuen wir uns und sind glücklich. Dabei ist doch beides das Gleiche. Aus unserere Sicht auf das Universum mögen wir recht haben, doch wer weiß, was vor der Geburt und nach dem Tod liegt?
Für unser Leben ist dies auch nicht essentiell. Wir leben hier und jetzt. Werden und Vergehen geschehen in jedem Augenblick und wir sind uns dessen selten bewusst. Wären wir es, so müssten wir permanent zwischen Trauer und Freude hin und her fallen, wie ein Flummi.

Ich finde das Bild des Meeres und Welle eine gutes um unser Leben zu beschreiben und unsere Sicht darauf zu verändern.

Die Welle war, ist und wird stets teil des Meeres sein. Für eine gewisse Zeit, wenn alle Umstände in der richtigen Konstellation vorhanden sind, darf sie sich manifestieren und aus dem Meer heraus ragen. Wir können sie sehen und genießen. Doch wenn die Bedingungen nicht mehr vorhanden sind, so bricht sie und wird wieder “unsichtbar”. Sie war zwar zu sehen, doch stets Teil des Ozeans.

So ist es mit allen Lebewesen. Wir war, sind und werden immer ein Teil des Universums sein. Für einen winzigen Augenblick können wir uns in dieser Welt manifestieren und agieren. Wenn die Zeit kommt, dass Umstände und Konstellation sich ändern, so werden wir wieder unsichtbar und kehren ein in das Universum.

Wir sind nie wirklich verschwunden und leben weiter in allen Dingen die in dieser Welt gegenwärtig sind, denn sie sind Teil des Universums.

Danke Fritz, dass wir dich kennenlernen durften.