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A.C.Chambre – Akadische Jugend

Meine Kindheit in Akadien war ein Leben im Paradies. Die Akadier trieben Handel mit der ganzen Welt und Louisbourg war für uns der Nabel der Selben. Mein Vater schneiderte für alle Klassen und Nationen. So hatten wir Kinder Umgang mit Franzosen, Engländer, Indianern und natürlich Akadiern.

Die Akadier verhielten sich politisch neutral und die Engländer respektierten dies. Auch wenn sie immer wieder versuchten uns den Treueeid auf die Englische Krone abzunehmen. Das Leben als “French Neutrals”, wie wir Akadier auch genannt wurden, ermöglichte uns Kindern die drei wichtigsten Sprachen zu lernen: Französisch, Englisch und Algonkin, die Sprache der Miq’mac. Wobei mir letztere eher schwer fiel. Dafür achteten mein Großvater, der leider starb als ich sechs Jahre alt war, darauf, dass wir auch die Sprache ihrer Heimat lernten: Deutsch. ” Du weißt nie, was Louis und Georg aushecken und wo du dann landest”, hatte mein Großvater immer gepredigt. “Schau mich an!”

Ich besuchte eine katholische Schule, wobei wir zu Hause nie besonders die Riten einhielten. Dies lag wohl auch an unseren Indianischen Wurzeln, aber vor Allem an den Erfahrungen meines Großvaters im heiligen Römischen Reich: “Wie der Herr, so des Gescher”. Das war der geflügelte Spruch für den unsteten Konfessionswandel einiger Deutscher Fürsten, die je nach Gusto katholisch oder protestantisch waren.

Von meinem Vater lernte ich die Kunst und das Handwerk der Schneiderei und von meiner Großmutter das Wissen der Miq’mac.

1743 trat ich der Akadischen Miliz bei, da jeder Mann ab 16 Jahren diese Pflicht hatte. Ich ahnte in dieser friedlich Zeit nicht, dass diese Ruhe bald vorbei sein würde und meine Heimat Akadien vor ihrer schwersten Zeit stand.

Wir hatten zwar gehört, dass auf dem Kontinent wieder ein Krieg ausgebrochen war, doch dachten wir nicht, dass dieser Österreichische Erbfolgekrieg sich in irgendeiner Art und Weise auf den Handel und die relativ guten Beziehungen zwischen Akadiern und den Bewohnern von Neu Englands auswirken könnte. Und vor allem nicht, dass der Auslöser ein paar Fische sein würden.

Im Mai 1744 erreichte die Nachricht, Frankreich habe England den Krieg erklärt, Louisbourg. Aus Angst, die Royal Navy könnte versuchen, die Akadischen Fischfangflotte von den Fischgründen vor Neufundland abschließen und auf den Befehl des Französischen Marineministers Maurepas, rüstete der Gouverneur 17 Schiffe aus um den Englischen Hafen Canso anzugreifen.

Nach kurzer Schlacht siegte die Französische Flotte, nahm alle Einwohner gefangen und zerstörte das Fort und die Stadt. So war der Weg in die Fischgründe und nach Port Royal gesichert. Die gefangenen Frauen und Kinder wurde nach Bosten gebracht und die Männer nach Louisbourg. Der Sieg Capitains François du Pont Duvivier wurde mit einem großen Fest gefeiert.

Im July startete die nächste Kampagne gegen Fort Anne. Auf Grund einiger Schwierigkeiten konnte die Französische Armee nicht rechtzeitig aus Louisbourg abrücken, so dass die Indianischen Verbündeten die Belagerung alleine begannen. Nach ein paar Tagen mussten sie aber aufgeben. Da die Engländer gewarnt waren verlief auch die zweite, Französische Belagerung erfolglos.

Die Englischen Gefangenen aus Canso durften sich in der Stadt frei bewegen. Welche Gefahr dies barg, daran dachte keiner. Diese unvorsichtige Behandlung rächte sich im folgenden Jahr. Einer der arrestierten Soldaten erforschte die Festung Louisbourg ausführlichste. Nach seiner Freilassung in Boston berichtete er seine Beobachtungen über Aufbau, Sicherung, Versorgung und Zustand der Truppen dem Gouverneur von Massachusetts.

Im Mai 1745 griffen die Englischen Truppen Louisbourg an!

Fortsetzung folgt!

August Charles Chambre

Wie bereits angekündigt habe ich ein neues Projekt gestartet.
Es ist ja das Jahr Friedrichs des 2. und was liegt näher als eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert zu beginnen?

Dieses Jahrhundert hat, aus meiner Sicht, einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung Europas der Neuzeit. Das Zeitalter großer Entdeckungen, der Aufklärung und entscheidender, politischer Entwicklungen.

Doch genug von mir. Lassen wir mein Alter-Ego doch berichten!


Bon jour. Je m’apelle August Charles Chambre.

Oh, verzeihen Sie. Ich vergesse immer noch, dass ich nicht mehr in La Nouvelle France, sondern zurück in Europa bin.

Dann fange ich noch einmal an:

Mein Name ist August Charles Chambre. Benannt nach meinem Vater und meinem Großvater Karl und August Kammer. Mein Großvater war gelernter Schneider und verließ unsere angestammte Heimat im Land der Grafen von Solms, weil er dort kein Einkommen mehr fand.

Auf der Suche nach Brot und Lohn gelangte er nach Brest an der Atlantikküste Frankreichs. Er hatte nichts zu verlieren und war auch dem Alkohol nicht abgeneigt. So begab es sich, dass er eines Nachts in einer Spelunke seine Heuer auf einem Französischen Handelsschiff unterschrieb und am nächsten Tag Europa verließ.

Nach einigen Jahren auf See löschte sein Schiff Ladung im Hafen von Port Royal und er beschloss abzuheuern und dort zu siedeln. Man nannte dieses Land Akadien. In den Jahren auf See lernte er die Französische Sprache fliesend und so fand er leicht Anschluss bei den Akadiern.

Sie waren hauptsächlich Siedler aus Frankreich, die einen Neuanfang in der Französischen Kolonie gewagt hatten und dort ein bäuerliches Leben führten.

So kam es, das aus meinem Großvater der Bauer und Schneider Charles Chambre wurde, der in einer kleinen Siedlung am Saint Lawrence lebte. Er heiratete die Tochter eines Französischen Siedlers, der eine Mi’kmaq-Indianerin geheiratet hatte. Die Akadier und die Eingeborenen lebten eng und friedlich miteinander.

Leider war dieses Siedlungsgebiet auch heiß umkämpft und die Französische und die Englische Krone stritten sich um La Cadie. Bis zur Geburt meines Vaters August 1699, wechselte die Herrschaft über das Land meines Großvaters vier Mal.

Wie alle Akadier hatte auch die Familie meines Großvaters den Treueeid auf den Französischen König Louis XIV abgelegt. So kam es, dass er als Mitglied der Akadischen Miliz gegen die Engländer kämpfte und in den Zeiten der Englischen Herrschaft unter Repressalien und Benachteiligungen zu Leiden hatte.

Nachdem Akadien 1710 erneut von den Engländern besetzt und 1713 im Frieden von Utrecht Frankreich weggenommen wurde, beschloss er und seine Frau wegzugehen. Auch um zu verhindern, dass mein Vater in das Englische Militär eingezogen wurde. So zogen sie nach Epekwitk, wie die Île-Saint-Jean in der Sprache der Miq’mac heißt.

1720 gründeten dann meine Väter gemeinsam mit den dorthin geflüchteten Akadiern und Franzosen die Kolonie Akadien und die Festung Louisbourg und erlebten eine Zeit des Friedens. Auch wenn die Englischen Gouverneure immer wieder versuchten, den Akadiern den Treueeid auf den Englischen König abzunehmen.

Mein Vater wurde, wie alle Männer, mit 16 Jahren Mitglied der Akadischen Miliz und lernte bei meinem Großvater den Beruf des Schneiders. Er heiratete eine Französin, die vom Kontinent kam und im Jahre des Herren 1727 wurde ich in diesem wunderschönen Land in einer Zeit des Friedens geboren.

Fortsetzung folgt….

 

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Hier ist der “große” Bruder zum kleinen Kalender in der Sidebar.

Ich füttere ihn nach und nach mit Termin.

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