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Kahnert liest… Tee mit Buddha

„Eine besondere Begegnung mit der gelebten Spiritualität Japans…“ prangt auf dem Klappentext und spricht insbesondere den Käuferkreis an, der ein Faible für den Fernen Osten im Allgemeinen und den Japanischen Buddhismus im Besonderen hat.
Die Autorin Michaela Vieser sei „die erste westliche Person, der die intensive Auseinandersetzung mit der Spiritualität und der im Kloster wohl gehüteten japanischen Kultur gewährt wird.“
Natürlich entstanden in meinem Kopf die Bilder der großen geheimnisvollen Tempel wie Eihei-Ji in Nebel umwogten Bergen und voll der Pracht der blühenden Kirschbäume.

Wer mit dieser Intension und der Hoffnung auf tiefgreifende Einblicke in Japanische Mystik und große Hinweise zur buddhistischen Erleuchtung das Buch aufschlägt, wird auf den ersten Seiten genauso ernüchtert werden wie die Autorin selber, als sie das erste Mals vor dem Kloster in der Japanischen Provinz stand.

M. Vieser beschreibt ihre Erwartungen Hoffnungen und überraschenden Erlebnisse sehr klar und nüchtern. Ihr Stil ist nicht voller esoterischer Räucherstäbchenlyrik. Dies ist erfrischend für ein Buch mit dieser Thematik. Sie gibt Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, doch diese Einblicke entsprechen sehr der Japanischen Mentalität: sie bleiben an der Oberfläche und geben nur so viel preis, wie für das Verständnis ihrer Erfahrungen notwendig sind.

Das Kloster, in dem sich ihre Geschichte abspielt, gehört zur Richtung des Reinen-Landes-Buddhismus und ist so ganz anders, als das was man von einem Japanischen Kloster erwartet. Erst am Schluss ihres Aufenthaltes erhalten sie und der Leser einen kurzen Einblick in ein „echtes“ Zen-Kloster.

Das Buch gewährt einen Einblick in die Welt der Japaner wie sie wirklich ist. Es gibt immer wieder kleine Überraschungen und Skurrilitäten, die manchmal die Vorurteile und das Klischee der Menschen im Land der aufgehenden Sonne bestätigen aber viele, die einen diese Menschen auch verstehen lässt.

Man könnte sagen, dass Buch steht in buddhistischer Tradition. Es gibt keine Knalleffekte, keine Mysterien und Wunder, keine großen Wahrheiten und schon gar keine plötzliche Erleuchtung. Das Buch führt einen auf leisen Sohlen und mit trippelnden Füssen durch einzelne Kapitel, die von Menschen handeln und ihrer Sicht auf dir Welt. Oft sind die Aussagen versteckt in einzelnen Sätzen und Worten.

Das Buch lässt den Leser mit einem Lächeln auf dem Gesicht und ein klein bisschen wissender zurück als er vorher war. So wir der Buddhismus im Kern auch.

Tee mit Buddha, Michaela Viersen

Kahnert liest:… Philip Kohlhöfer – Grillsaison: Meine Reise durch die Heimat

Ok, ich geb’s zu. Ich hab’ das Buch weder gekauft, weil mir der Titel gefällt, noch weil mich der Inhalt interessiert. Ich hab’s aus sozialer Intention gekauft. Ich kauf’ alles, was Leute die ich kenne veröffentlicht haben. Also auch Philipps Buch.
Warum? Na ja, zum einen weiß ich, dass ich 8,95 € bezahle und der Autor davon ‘was bekommt. Wenn’s nur 50 Cents sind, kann er sich wenigstens wieder Klopapier kaufen.
Zum anderen bin ich neugierig, ob was drin steht, dass ich kenne.
Und das hat Philipp geschafft!

Es gibt sehr wenige Bücher bei denen ich mich selber erwische wie ich nicke, dümmlich grinse oder in leises, zustimmendes Lachen ausbreche. Sir Terry Pratchett schafft dies und auch Philipp Kohlhöfer.
O.k. etwas überzogen der Vergleich… Ich kenn’ Pterry nicht persönlich….

Aber nun zum Buch. Weder der Titel noch das Cover laden unbedingt dazu ein, dieses Buch zu kaufen. Laut Klappentext suche Kohlhöfer das “Deutschlandgefühl”. Ein sinnloses Unterfangen, wie ich finde. Was man finden kann ist sein Hessisches Lebensgefühl und wie so jemand die Welt sieht oder sehen kann. Ich fühlte zumindest sehr oft mit ihm.

Das Buch ist im Softcover gebunden und auf 281 Seiten verteilt. Es ist in drei grobe Teile geteilt, die einen netten Aufhänger bilden aber meines Erachtens nicht nötig wären. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die sich sehr schön “häppscherweiss” lesen lässt. Ähnlich wie “Britannica und ich” von A.J. Jacobs.

Kohlhöfer erzählt Episoden aus seinem Leben. Sie sind sehr realistisch geschrieben sind und lassen den Leser glauben, dass sie ihm wirklich wiederfuhren. Da ich Philipp und seine Familie kennenlernen durfte kann ich mir vorstellen, dass vieles wirklich geschah. Ob es wirklich so ist, sei dem geneigten Leser überlassen.

Bereits im ersten Kapitel entführt er die Leserin und den Leser in seine Kindheit und in eine Mittelhessische Kleinstadt die er, sehr Britisch im Understatement als “Dorf” bezeichnet. (Hey, ich komm’ wirklich aus einem Dorf, dass zur Gemeinde dieser Stadt gehört! Dorf ist anders!) Die in diesem Kapitel beschriebene Gaststätte kenne ich und ich habe mich sofort in meine Vergangenheit entführt gefühlt. Dies schafft er in einigen Kapiteln. Der See, die Grundschule, das Schwimmbad, der Diskoabend, die Schule, usw., alles Geschichten, die jeder kennt, der aus dieser Eche Deutschlands kommt.

Kohlhöfer schreibt realistisch. Wie er in dem Kaptitel “Auto” selbst schreibt: “Der Kohlhöfer ist authentisch!” Ok, da ist es Eddie Vedder, aber in dem “Club” (so nennt man das ja heute war ich auch. Das gab’s Jack Daniels für nen Euro!) Die Story über seinen Bruder auf Malle mit Frau “Ein-bisschen-Frieden” glaub’ ich sofort. (Sorry, Kolo.) Und den Mickey-Pullover möchte ich endlich sehen.

Alles in allem ein lesenswertes Buch. O.k. kein Highlight der deutschen Lyrik, wenn man es auf die Sprach- und Dichtkunst bezieht. Aber wenn man aus einer ländlichen Region kommt in ein anders Bundesland und dort in eine Großstadt zieht, dann kann man Kohlhöfers Geschichten nachvollziehen und ist “mitten drin statt nur dabei”.

Kahnert liest… Hardy Krüger – Weltenbummler: Willkommen auf fünf Kontinenten

Zu dem Buch bin ich nur durch Zufall gekommen.
Sarah hat ausgemistet und dabei wollte sie einige Bücher entsorgen.
Das geht ja mal gar nicht.
Unter diesen war auch:
Hardy Krüger – Weltenbummler: Willkommen auf fünf Kontinenten

Hardy Krüger kennt fast jeder und vom Weltenbummler ist auch ein Begriff.
Ich habe die Serie allerings nie gesehen.
Also bin ich recht unbelastet an das Buch heran gegangen.

Krüger erzählt in seinem Buch von den Reisen, die er für die Serie Weltenbummler gemacht hat.
Er beginnt, etwas über die Geschichten des Buches zu erzählen, gibt eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes und die Intention dahinter wieder.

Es folgen insgesamt sechs Geschichten aus Afrika, den USA, Thailand, Neuseeland, der Südsee und aus Dubai. Die Geschichten beschreiben das Land und erzählen jeweils die Geschichte eines Menschen, den Krüger traf und der in der jeweiligen Weltenbummler-Folge vorgestellt wurde.

Krügers Schreibstil ist sehr persönlich, sehr menschlich. er schriebt in der Ich-Perspektive und lässt viele seiner Gefühle und Gedanken mit einfliessen.
An die ständigen “Tcha!”-Einwürfe in der ersten Geschichte muss man sich gewöhnen.
Aber ich glaube, wenn er die Geschichte erzählen würde, dann würde man diese Intention besser verstehen.
Die in sich geschlossenen Geschichten sind spannend erzählt. Auf Grund seiner persönlichen Nähe zu den Protagonisten hat man das Gefühl, mit ihm unterwegs zu sein.
Ein besonderes Stilelement ist die Erzählung in der Erzählung.
Man erfährt aus Krügers Vergangenheit und kann besser verstehen, warum die Treffen zu Stande kamen.

Sehr schön wir immer wieder eine Botschaft in den Geschichten vermittelt.
Sei es, dass sich das Leben in Kreisen bewegt oder Botschaften wie man das Leben sinvoller und leichter erleben und ertragen kann.

Die letzte GEschichte, aus Dubai, ist als Brief an die Leser verfasst.
Ein Appel an die Menschlichkeit und Toleranz.

man schließt das Buch und ist beeindruckt von den Wundern der Welt.

Krüger fasziniert und regt zum Nachdenken an ohne gleichzeitig Spass und Schönheit der Orte dieser Welt auszuschließen.

Ich kann dieses Buch jedem, der an fremden Kulturen, Ländern und Menschn interessiert ist unbedingt empfehlen.