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Als im September 2008 in Asperg (BW) erstmalig die Fundstücke aus dem keltischen Fürstengrab Kleinaspergle gezeigt wurden, galt dies als kleine Sensation in der Historikerfachwelt. Fast zwei Jahre später erscheint das vorliegende Buch auf Basis dieser Ausstellung. Weiterlesen

Buchvorstellung: Das Zeitalter der Keltenfürsten

Das Zeitalter der Keltenfürsten

Autor: Martin Kuckenburg

Informationen zum Buch: Klett-Cotta-Verlag

Ein großer Titel der viel zu versprechen scheint. Der Verlag verwundert schon beim ersten Blick, aber wer Tolkien in Deutschland herausgibt, den sollte man nicht per se in die Fantasy-Ecke drängen, auch wenn die Gefahr bei der gewählten Thematik groß ist genau dort zu landen.

Der Autor, Martin Kuckenburg, dagegen ist bekannt für fundierte Fakten und deren Aufarbeitung, so dass der Klappentext auf einiges hoffen lässt.

Laut diesem räume Kuckenburgs „… große Gesamtdarstellung der frühen Keltenzeit zwischen dem 8. und 3. Jahrhundert vor Christus … mit dem Klischee der kulturellen Rückständigkeit gegenüber Griechenland und Rom“ auf und zeige „ … dass sich diese erste Hochkultur Mitteleuropas durchaus auf Augenhöhe befand mit den entstehenden Hochkulturen Griechenlands und Roms. …“

Das Buch besteht insgesamt aus 20 Kapiteln und das Quellenverzeichnis liest sich wie ein Who-is-who der Europäischen Eisenzeitforschung. Bereits beim lesen des Inhaltsverzeichnisses wird der Schwerpunkt klar: Kuckenburg hat sich primär mit den Fürstensitzen des 6. und 5. Jahrhunderts vor Christus beschäftigt, also der späten Hallstattzeit bis in die ganz frühe Latènezeit.

In der Einleitung zeigt der Autor klar seine Zielrichtung auf. „Die Kelten kommen! Über die neue Popularität einer alten Kultur“ so hat er sie betitelt und stellt kurz die Geschichte der Keltenforschung und ihren Stand in der Deutschen Gesellschaft dar. Er benennt die beiden „Eye-opener“ der Deutschen Keltenfürsten, die Gräber von Hochdorf und Glauberg, und steckt den Rahmen seiner Publikation.

Martin Kuckenburg stellt die frühen Kelten eingebettet in die gesamte kulturelle Entwicklung des westlichen Mittelmeerraumes dar. Er zeigt auf, dass sich die frühen mediterranen Kulturen und die Hallstattkultur parallel entwickelten und gegenseitig beeinflussten. Wobei er den Haupteinfluss ganz klar in Richtung Norden sieht. Er geht auf die Gründung der ersten Kolonien der Griechen im Westen und der Keltike ein und Beschreibt, anhand der bekannten wissenschaftlichen Fakten, den plötzlichen Umschwung um das 5. Jahrhundert durch das erstarken der Etrusker im Norden Italiens und die möglicherweise dadurch entstandenen Latènekultur.

Den größten Teil der Faktengrundlage nehmen die Heuneburgforschung und die Fürstengrabhügelforschung in Baden-Württemberg ein. In diesen sind die stärksten Zeugnisse keltisch-mediterraner Berührungen greifbar. Aber er schaut auch über den Tellerrand dieses kleinen Kernbereichs hinaus um die Einflüsse klar aufzuzeigen.

In seinem Buch stellt er die zwei Hauptströmungen der „Fürstensitz-Forschung“ gegenüber. Die Richtung nach Kimming, die den Griechen und Etruskern einen großen Einfluss einräumt und die davon ausgeht, dass die Kelten nur wurden was sie sind, da sie deren Kultur adaptierten und sich so aus dem Barbarentum lösten, also eine „barbarische Reflexion mediterraner Lebensformen“ seine. Die aber auch die bestimmte Vorstellung einer Sozialstruktur nach Griechischen Vorbildern entwickelte und eine Hallstattzeitliche Adelsschicht ähnlich des mittelalterlichen Feudalsystems zeigte. Kimming stellte er die Strömung Eggerts gegenüber, der seine Interpretationen der Funde auf die Grundlage der kulturanthropologischen Forschung stellt und als größter Kritiker Kimmings gilt. Seiner Meinung nach entwickelte sich die Hallstattzeitliche Fürstenkultur eigenständig und sei viel mehr mit den Afrikanischen Stammesstrukturen zu vergleichen als dem mittelalterlichen Feudalsystem.

Kuckenburg beschreibt ausführlich die Entwicklung der Forschungsströmungen und den Disput der beiden Hauptrichtungen ohne wirklich eindeutig Partei zu ergreifen. Dies ermöglicht den Lesern Einblick in eine differenzierte Welt der Keltenforschung zu bekommen und gegebenenfalls eigene Schlüsse daraus zu ziehen.

Kuckenburg stellt die Vorstellungen der keltischen Welt anhand archäologischer Funde, antiker Autoren und Vergleichen mit ähnlichen Gebräuchen der gesamten westlichen antiken Welt dar. Entgegen der Aussage des Klappentextes wird allerdings die Zeit außerhalb der Epoche der Hallstattfürsten nur rudimentär angedeutet, da sie zwar für die Entstehung der Fürstenkultur wichtig ist, bzw. die Fürstenkultur in der Folgezeit der Kelten, also ab dem 4. Jahrhundert kaum Spuren hinterließ.

Martin Kuckenburg gelingt es, den Leser, der sich für diese Epoche interessiert und auch einen tieferen Einblick in die Entwicklung und ereignisreiche Welt der Keltenforschung und deren Protagonisten haben möchte zu fesseln und ausführlich zu informieren. Allerdings ist sein Buch keine typische Populärliteratur für Keltenfans. Diese werden sehr bald von seinem wissenschaftlichen und nüchternen Ton gelangweilt sein und doch wieder zu Tolkien greifen. Auch diejenigen, die sich spannende neue Fakten über die Kelten in Deutschland bis hin zu deren Verschwinden erhoffen werden enttäuscht. Diese Zeit findet nur in Nebensätzen, die die Hauptthematik unterstreichen Erwähnung. Allen anderen sei diese Literatur zu empfehlen, denn sie beschreibt den Zeitraum, in dem die Kelten Deutschlands es fast geschafft hätten eine Hochkultur zu entwickeln, die denen der Griechen und Etruskern zu jener Zeit ebenbürtig hätte sein können.

Buchvorstellung: Keltenstädte aus der Luft

Mit dem Buch „Kelten in Deutschland“ hat Sabine Rieckhoff mit „das“ Standardwerk zur eisenzeitlichen Frühgeschichte Deutschlands veröffentlicht. Dem entsprechend gespannt sind die Leser, was ihr neuestes Buch „Keltenstädte aus der Luft“ bereithält.
Der Klappentext erhöht die Spannung noch zusätzlich, da er einen „… Überblick über die historisch interessantesten, wissenschaftlich bedeutendsten und landschaftlich spektakulärsten …“ Keltischen Städte verspricht. Damit wird auch schon der Schwerpunkt der Publikation klar. Gemeinsam mit Stephan Fichtl haben sich die Autoren der so genannten „Oppida-Kultur“ angenommen.
Der Begriff des Oppidums (Oppida, Mz.) taucht in Iulius Caesars Beschreibungen des Gallischen Krieges (Bellum Gallicum) auf.  Er bezeichnet damit die großen, befestigten Siedlungen der Gallier im heutigen Frankreich.
Und hier beginnen auch die Autoren mit ihrem Buch. Den Einstieg machen eine Einführung in die archäologische Forschung der „Keltenstädte“ seit dem 19. Jahrhundert, deren Entwicklung, eine Darstellung historischer Quellen sowie eine Abhandlung über die Entwicklung der eisenzeitlichen Siedlungen in Europa.
Während die beiden erstgenannten Bereiche zwar kurz gehalten sind, aber dennoch einen ausreichend tiefen Einblick in die Thematiken ermöglichen, wir dem letztgenannten ein großer Raum gegeben. Dies ermöglicht den Lesern, ein Verständnis für die kulturelle Entwicklung der frühgeschichtlichen Kulturen Europas aufzubauen und insbesondere ihre Unterschiede, aber auch den hohen Entwicklungsstand zu erkennen.
Bereits hier machen die Autoren deutlich, dass es die „Kelten“ als eine Kultur, wie sie heute oft verstanden werden, nie gab, sondern verschieden Völker mit einem ähnlichen Kulturverständnis und dass man sich vom allgemeinen Bilder der „wilden Barbaren“ verabschieden muss.
Unterstrichen wird dies noch durch das abschließende Kapitel über den allgemeinen Aufbau der Oppida im 2. Und 1. Jahrhundert vor Christus. Hier zeigt sich auch erstmals, wie strategisch und planmäßig diese ersten Städte nördlich der Alpen errichtet wurden und sich doch stark von den Städten Roms oder Griechenlands unterschieden.
Der folgende Hauptteil des Buches stellt auf 55 Seiten 32 Siedlungen vor, die aus den ca. 200 bekannten Europäischen Fundorten herausragen. Die Autoren nutzen diese Städte um sechs Themenkomplexe rund um die Oppida-Kultur zu visualisieren.
Sie beginnen geschickt mit dem bekanntesten, aber auch mythenumwobensten Ort der Gallier: Alesia. Wer erinnert sich nicht an den kleinen Gallier des Asterix‘ Comics und seine Worte: „Wir wissen nicht wo es ist, dieses Alesia!“ (Quelle angeben!) Alise-Saint-Reine, wie das Städchen vor Alesia heute heißt, ist nicht nur der Beginn des Kapitels über historische Schauplätze, sondern steht auch symbolisch für den Beginn der Oppidaforschung, ja sogar der „Kelten“-Forschung überhaupt.
Diesem Kapitel folgen „Meilensteine der Forschung“, Orte wie Manching haben der Forschung große Impulse geliefert.  „Spektakuläre Topografie“ wie der Mont Vully in der heutigen Schweiz in der Nähe von La Tène, das einer ganzen Epoche der Eisenzeit ihren Namen gab. Das Kapitel „Größte Befestigungen“ zeigt welche unglaublichen Dimensionen diese Städte erreichten, wie beispielsweise der Heidengraben in Baden-Württemberg als größtes Oppidum Europas. Der Titelberg in Luxemburg steht als beispielhaft für das Kapitel „Kult und Macht“. Den Abschluss des Hauptteiles bildet das Kapitel über die Frage „Was geschah mit den Oppida?“. Anhand verschiedener Siedlungen, wie beispielsweise Zavist, zeigen die Autoren den schnellen Niedergang dieser Epoche auf, der die Züge einer entstehenden Hochkultur zeigte.
Jeder Bericht über die einzelnen Oppida beschreibt der Entwicklung, Aufbau, forschungsgeschichtlichen Hintergrund sowie die Besonderheit des Fundortes. Zusätzlich wird jedes Oppidum mit einem topografischem Plan und einem Luftbild präsentiert. Leider fallen die Bilder oft etwas  klein aus, so dass der versprochene „besondere Ausblick“ etwas zu kurz kommt. Die wenigen doppelseitigen Abbildungen zeigen, was möglich gewesen wäre. Die Artikel sind so verfasst, dass die Leser das Wichtigste gut erfassen und ggf. die Möglichkeit bekommen, selbst weiter zu recherchieren. Dies unterstützen die Autoren durch eine ausführliche Fundort- und Literaturliste im Anhang.
Den Abschluss des Buches bilden touristische Hinweise zu den 32 vorgestellten Fundorten. Eine Einladung an die Leser, diese Orte selbst zu besuchen.
Mit „Keltenstädte aus der Luft“ haben die Autoren Rieckhoff und Fichtl ein Buch vorgelegt, dass sich primär an den tiefer interessierten Laien richtet. Wer sich für die spät-„keltische“ Epoche interessiert, bekommt eine gut strukturierte und informative Publikation in die Hand, deren Schwerpunkt ganz klar die Siedlungsgeschichte dieser Zeit ist. Wer allerdings einen Bildband zur Luftbildarchäologie oder ein Werk über die Kultur der Kelten in dieser höchsten Entwicklungsstufe kurz vor ihrem Verschwinden oder den Kriegen gegen die Römer erwartet, dem wird dieses Werk zu detailliert und speziell sein.
Unserem kleinen Gallischen Freund können wir am Ende antworten: „Wir haben es sogar gesehen, dieses Alesia!“Keltenstädte aus der Luft

Theiss-Verlag

Umfang: 112 Seiten, 100 Abbildungen

Umschlag: Hardcover

Format: 21 x 28 cm

Preis: 24,90 Euro zzgl. Versandkosten

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