Buchvorstellung: Keltenstädte aus der Luft

Mit dem Buch „Kelten in Deutschland“ hat Sabine Rieckhoff mit „das“ Standardwerk zur eisenzeitlichen Frühgeschichte Deutschlands veröffentlicht. Dem entsprechend gespannt sind die Leser, was ihr neuestes Buch „Keltenstädte aus der Luft“ bereithält.
Der Klappentext erhöht die Spannung noch zusätzlich, da er einen „… Überblick über die historisch interessantesten, wissenschaftlich bedeutendsten und landschaftlich spektakulärsten …“ Keltischen Städte verspricht. Damit wird auch schon der Schwerpunkt der Publikation klar. Gemeinsam mit Stephan Fichtl haben sich die Autoren der so genannten „Oppida-Kultur“ angenommen.
Der Begriff des Oppidums (Oppida, Mz.) taucht in Iulius Caesars Beschreibungen des Gallischen Krieges (Bellum Gallicum) auf.  Er bezeichnet damit die großen, befestigten Siedlungen der Gallier im heutigen Frankreich.
Und hier beginnen auch die Autoren mit ihrem Buch. Den Einstieg machen eine Einführung in die archäologische Forschung der „Keltenstädte“ seit dem 19. Jahrhundert, deren Entwicklung, eine Darstellung historischer Quellen sowie eine Abhandlung über die Entwicklung der eisenzeitlichen Siedlungen in Europa.
Während die beiden erstgenannten Bereiche zwar kurz gehalten sind, aber dennoch einen ausreichend tiefen Einblick in die Thematiken ermöglichen, wir dem letztgenannten ein großer Raum gegeben. Dies ermöglicht den Lesern, ein Verständnis für die kulturelle Entwicklung der frühgeschichtlichen Kulturen Europas aufzubauen und insbesondere ihre Unterschiede, aber auch den hohen Entwicklungsstand zu erkennen.
Bereits hier machen die Autoren deutlich, dass es die „Kelten“ als eine Kultur, wie sie heute oft verstanden werden, nie gab, sondern verschieden Völker mit einem ähnlichen Kulturverständnis und dass man sich vom allgemeinen Bilder der „wilden Barbaren“ verabschieden muss.
Unterstrichen wird dies noch durch das abschließende Kapitel über den allgemeinen Aufbau der Oppida im 2. Und 1. Jahrhundert vor Christus. Hier zeigt sich auch erstmals, wie strategisch und planmäßig diese ersten Städte nördlich der Alpen errichtet wurden und sich doch stark von den Städten Roms oder Griechenlands unterschieden.
Der folgende Hauptteil des Buches stellt auf 55 Seiten 32 Siedlungen vor, die aus den ca. 200 bekannten Europäischen Fundorten herausragen. Die Autoren nutzen diese Städte um sechs Themenkomplexe rund um die Oppida-Kultur zu visualisieren.
Sie beginnen geschickt mit dem bekanntesten, aber auch mythenumwobensten Ort der Gallier: Alesia. Wer erinnert sich nicht an den kleinen Gallier des Asterix‘ Comics und seine Worte: „Wir wissen nicht wo es ist, dieses Alesia!“ (Quelle angeben!) Alise-Saint-Reine, wie das Städchen vor Alesia heute heißt, ist nicht nur der Beginn des Kapitels über historische Schauplätze, sondern steht auch symbolisch für den Beginn der Oppidaforschung, ja sogar der „Kelten“-Forschung überhaupt.
Diesem Kapitel folgen „Meilensteine der Forschung“, Orte wie Manching haben der Forschung große Impulse geliefert.  „Spektakuläre Topografie“ wie der Mont Vully in der heutigen Schweiz in der Nähe von La Tène, das einer ganzen Epoche der Eisenzeit ihren Namen gab. Das Kapitel „Größte Befestigungen“ zeigt welche unglaublichen Dimensionen diese Städte erreichten, wie beispielsweise der Heidengraben in Baden-Württemberg als größtes Oppidum Europas. Der Titelberg in Luxemburg steht als beispielhaft für das Kapitel „Kult und Macht“. Den Abschluss des Hauptteiles bildet das Kapitel über die Frage „Was geschah mit den Oppida?“. Anhand verschiedener Siedlungen, wie beispielsweise Zavist, zeigen die Autoren den schnellen Niedergang dieser Epoche auf, der die Züge einer entstehenden Hochkultur zeigte.
Jeder Bericht über die einzelnen Oppida beschreibt der Entwicklung, Aufbau, forschungsgeschichtlichen Hintergrund sowie die Besonderheit des Fundortes. Zusätzlich wird jedes Oppidum mit einem topografischem Plan und einem Luftbild präsentiert. Leider fallen die Bilder oft etwas  klein aus, so dass der versprochene „besondere Ausblick“ etwas zu kurz kommt. Die wenigen doppelseitigen Abbildungen zeigen, was möglich gewesen wäre. Die Artikel sind so verfasst, dass die Leser das Wichtigste gut erfassen und ggf. die Möglichkeit bekommen, selbst weiter zu recherchieren. Dies unterstützen die Autoren durch eine ausführliche Fundort- und Literaturliste im Anhang.
Den Abschluss des Buches bilden touristische Hinweise zu den 32 vorgestellten Fundorten. Eine Einladung an die Leser, diese Orte selbst zu besuchen.
Mit „Keltenstädte aus der Luft“ haben die Autoren Rieckhoff und Fichtl ein Buch vorgelegt, dass sich primär an den tiefer interessierten Laien richtet. Wer sich für die spät-„keltische“ Epoche interessiert, bekommt eine gut strukturierte und informative Publikation in die Hand, deren Schwerpunkt ganz klar die Siedlungsgeschichte dieser Zeit ist. Wer allerdings einen Bildband zur Luftbildarchäologie oder ein Werk über die Kultur der Kelten in dieser höchsten Entwicklungsstufe kurz vor ihrem Verschwinden oder den Kriegen gegen die Römer erwartet, dem wird dieses Werk zu detailliert und speziell sein.
Unserem kleinen Gallischen Freund können wir am Ende antworten: „Wir haben es sogar gesehen, dieses Alesia!“Keltenstädte aus der Luft

Theiss-Verlag

Umfang: 112 Seiten, 100 Abbildungen

Umschlag: Hardcover

Format: 21 x 28 cm

Preis: 24,90 Euro zzgl. Versandkosten

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