August Charles Chambre

Wie bereits angekündigt habe ich ein neues Projekt gestartet.
Es ist ja das Jahr Friedrichs des 2. und was liegt näher als eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert zu beginnen?

Dieses Jahrhundert hat, aus meiner Sicht, einen sehr großen Einfluss auf die Entwicklung Europas der Neuzeit. Das Zeitalter großer Entdeckungen, der Aufklärung und entscheidender, politischer Entwicklungen.

Doch genug von mir. Lassen wir mein Alter-Ego doch berichten!


Bon jour. Je m’apelle August Charles Chambre.

Oh, verzeihen Sie. Ich vergesse immer noch, dass ich nicht mehr in La Nouvelle France, sondern zurück in Europa bin.

Dann fange ich noch einmal an:

Mein Name ist August Charles Chambre. Benannt nach meinem Vater und meinem Großvater Karl und August Kammer. Mein Großvater war gelernter Schneider und verließ unsere angestammte Heimat im Land der Grafen von Solms, weil er dort kein Einkommen mehr fand.

Auf der Suche nach Brot und Lohn gelangte er nach Brest an der Atlantikküste Frankreichs. Er hatte nichts zu verlieren und war auch dem Alkohol nicht abgeneigt. So begab es sich, dass er eines Nachts in einer Spelunke seine Heuer auf einem Französischen Handelsschiff unterschrieb und am nächsten Tag Europa verließ.

Nach einigen Jahren auf See löschte sein Schiff Ladung im Hafen von Port Royal und er beschloss abzuheuern und dort zu siedeln. Man nannte dieses Land Akadien. In den Jahren auf See lernte er die Französische Sprache fliesend und so fand er leicht Anschluss bei den Akadiern.

Sie waren hauptsächlich Siedler aus Frankreich, die einen Neuanfang in der Französischen Kolonie gewagt hatten und dort ein bäuerliches Leben führten.

So kam es, das aus meinem Großvater der Bauer und Schneider Charles Chambre wurde, der in einer kleinen Siedlung am Saint Lawrence lebte. Er heiratete die Tochter eines Französischen Siedlers, der eine Mi’kmaq-Indianerin geheiratet hatte. Die Akadier und die Eingeborenen lebten eng und friedlich miteinander.

Leider war dieses Siedlungsgebiet auch heiß umkämpft und die Französische und die Englische Krone stritten sich um La Cadie. Bis zur Geburt meines Vaters August 1699, wechselte die Herrschaft über das Land meines Großvaters vier Mal.

Wie alle Akadier hatte auch die Familie meines Großvaters den Treueeid auf den Französischen König Louis XIV abgelegt. So kam es, dass er als Mitglied der Akadischen Miliz gegen die Engländer kämpfte und in den Zeiten der Englischen Herrschaft unter Repressalien und Benachteiligungen zu Leiden hatte.

Nachdem Akadien 1710 erneut von den Engländern besetzt und 1713 im Frieden von Utrecht Frankreich weggenommen wurde, beschloss er und seine Frau wegzugehen. Auch um zu verhindern, dass mein Vater in das Englische Militär eingezogen wurde. So zogen sie nach Epekwitk, wie die Île-Saint-Jean in der Sprache der Miq’mac heißt.

1720 gründeten dann meine Väter gemeinsam mit den dorthin geflüchteten Akadiern und Franzosen die Kolonie Akadien und die Festung Louisbourg und erlebten eine Zeit des Friedens. Auch wenn die Englischen Gouverneure immer wieder versuchten, den Akadiern den Treueeid auf den Englischen König abzunehmen.

Mein Vater wurde, wie alle Männer, mit 16 Jahren Mitglied der Akadischen Miliz und lernte bei meinem Großvater den Beruf des Schneiders. Er heiratete eine Französin, die vom Kontinent kam und im Jahre des Herren 1727 wurde ich in diesem wunderschönen Land in einer Zeit des Friedens geboren.

Fortsetzung folgt….

 

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