Buchvorstellung: Die Kelten am Hohenasperg

 

Als im September 2008 in Asperg (BW) erstmalig die Fundstücke aus dem keltischen Fürstengrab Kleinaspergle gezeigt wurden, galt dies als kleine Sensation in der Historikerfachwelt. Fast zwei Jahre später erscheint das vorliegende Buch auf Basis dieser Ausstellung. 

Eine kleine Sensation ist auch, dass für dieses Buch extra ein Verlag gegründet wurde. Die vier Autoren und Herausgeber sind ehrenamtliche Heimatkundler und seit Jahren aktiv in die geschichtlichen Belange rund um den Hohenansperg involviert.Die Umstände verleiten dazu, das Vorurteil zu bilden, es könne sich bei dem vorliegenden Buch um ein „typisches lokalhistorisches Blättchen zur touristischen Werbung“ handeln. Doch bereits beim Anblick der Aufmachung wird man eines Besseren belehrt. Das 208 Seiten starke Werk kommt im hochwertigen Hardcover und Hochglanzdruck daher und besticht schon beim ersten Durchblättern durch die große Anzahl farbiger Abbildungen der archäologischen Funde der Asperg-Region, die in dieser Form noch nie publiziert wurden.Bereits das Inhaltsverzeichnis deutet darauf hin, dass sich die Autoren bewusst waren, dass das Thema eine besondere Behandlung verdient. In acht Kapiteln führen sie durch die frühe Welt der süddeutschen Kelten und ihrer mediterranen Nachbarn. Für diese Kapitel konnte der Verlag namhafte Wissenschaftler gewinnen.Die Einführung in das Thema der Keltenfürsten vom Hohenasperg übernimmt. Jörg Biel, der unter anderem maßgeblich an den Heuneburggrabungen beteiligt ist. In eine klaren Sprache legt er die Geschichte der Grabungen rund um Asperg dar und gibt einen ersten Einblick in die Besiedlungsgeschichte Süddeutschlands.Dieser Stil zieht sich durch das gesamte Buch. Neben Biel ergänzen Beiträge von Dirk Krausse, Ines Balzer, Denise Beilharz und Harald von der Osten-Woldenburg das Werk.In kurzen Abschnitten werden die wichtigen Fakten und wissenswertes zu den frühen Kelten dargelegt. Relativ schnell wird dann der Schwerpunkt des Buches bedient. Die Besiedlung der Asperg-Region wird im vergleich zu den antiken Nachbarn dargelegt. Dies ist ein Kennzeichen der Hallstattzeitforschung. Der Einfluss der mediterranen Völker spiegelt sich in den Grabfunden wieder und wird auch in diesem Buch ausführlichst dargelegt.Wie bereits im Buch „Das Zeitalter der Keltenfürsten“ werden auch hier die drei großen Höhensiedlungen der Zeit zwischen 600 und 500 vor Christus als Kernorte der Hallstattkultur, Hohenasperg, Mont Lassois und Heuneburg in den Focus gestellt. Anhand der aktuellsten Forschungsergebnisse wird versucht die Gesellschaft dieser Zeit darzustellen und insbesondere die Ähnlichkeit zum Habitus der Griechischen und Etruskischen Welt dieser Zeit hervorgehoben.Eine Besonderheit dieses Buches ist die ausführliche Darstellung der der Fürstengräber der Region um Asperg. Insbesondere die beide Gräber Grafenbühl und Kleinaspergle werden detailliert präsentiert. Die Funde fanden zwar bereits in der einschlägigen Literatur immer wieder Erwähnung und wurden auch bereits mehrfach, auf Grund ihrer herausragenden Machart, abgebildet, eine Gesamtdarstellung wie in dieser Form fand bisher nicht statt. Dies allein macht dieses Buch zu einer Besonderheit.Den Abschluss des Buches bildet ein kurzer Abriss über die keltischen Spuren in unserer heutigen Zeit. Die zwei Seiten über die keltischen Festtage fallen leider aus dem qualitativen Rahmen des Buches heraus, trüben aber das Gesamtbild nicht. Insgesamt ist dieser letzte Abschnitt, der scheinbar für populär-wissenschaftliche Bücher zum Thema Kelten unerlässlich ist, kurz gehalten und bezieht sich auch im Schwerpunkt auf die Region Asperg und spannt so einen Bogen zu den Möglichkeiten, die Welt der Kelten am Asperg heute zu erleben.Abschließend kann man sagen, dass mit „Kelten am Hohenasperg“ ein Buch vorliegt, das einen tiefen Einblick in die Kultur der Keltenfürsten gibt ohne dabei in die Tiefen wissenschaftlicher Fachsprache zu versinken. So wird es ebenso dem interessierten Laien wie dem fachkundigen Wissenschaftler gerecht. Eine Frage bleibt allerdings: Aufmachung und Inhalt sind von so hoher Qualität, dass es durchaus in das Portfolio der einschlägigen Fachverlage gepasst hätte. Dass die Autoren hierfür einen eigenen Verlag gründeten zeigt, wie wichtig ihnen dieses Buch ist. Und das Ergebnis bestätigt, dass es die Mühe wert war.Die Kelten am Hohenasperg

Keltenfürst Verlag Asperg Umfang: 208 Seiten, 264 AbbildungenUmschlag: HardcoverFormat: 27,5 x 22 cmPreis: 29,50 €zzgl. VersandkostenISBN 9 783000 306327Internetseite der Keltenfürst-Verlages 

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